Beschäftigungstherapiekonzept


Rahmenkonzept
für die Dementenbetreuung

1.Allgemeiner Teil

Die inhaltliche Entwicklung unserer Arbeit stützt sich auf eine intensive Beschäftigung mit dem Krankheitsbild der Demenz und ihren Auswirkungen. Es gilt Wege zu finden, dem dementen Bewohner seine verbliebenen Fähigkeiten und Fertigkeiten zu erhalten, ihm ein Sicherheitsgefühl und ein Gefühl der Bestätigung zu vermitteln sowie sein Selbstwertgefühl und sein Wohlbefinden zu steigern. Dies kann gelingen indem man den alten Menschen in seiner Verwirrtheit ernst und seine Gefühle, Gedanken und Vorstellungen annimmt.
Demente benötigen einen stabilen Rahmen für ihre Aktivitäten, wiederkehrende und gleich bleibende Elemente des Tagesablaufes, wenig räumliche Veränderungen und gleich bleibende Verhaltensweisen der Personen in ihrer Umgebung. Aus diesem Grund gehört zu einer guten Betreuung eine fest vorgegebene Tagesstruktur, die sich jedoch immer an den Bedürfnissen der dementen Bewohner orientieren sollte.
Die betreute Kleingruppe von 8 - 10 Personen scheint hier optimale Voraussetzungen zu bieten. Hier werden an die Bewohner in einem stabilen Umfeld verschiedene Anforderungen gestellt. So werden sie in die Notwendigkeiten des Tagesablaufes ( Tisch decken, Geschirr spülen usw. ) eingebunden, ihren Fähigkeiten entsprechend zu Aktivitäten angeregt ( Kartoffeln schälen, Kuchen backen, aber auch singen, tanzen, basteln, Ball spielen usw. ) Welche Art von Tätigkeiten die Bewohner als befriedigend erleben werden, hängt in starkem Maße von ihrer Biographie ab. Eine offene Grundhaltung gegenüber dem Leben und der Geschichte der dementen Bewohner ist daher von hoher Bedeutung.

Unter Berücksichtigung dieser Dinge, könnte man die Ziele unserer Arbeit wie folgt definieren:
- Verbesserung und Förderung der Lebensqualität der Bewohner
- Sicherung und Förderung der Lebenszufriedenheit der Bewohner
durch das Anknüpfen an körperliche, geistige und emotionale
Fähigkeiten

-
Stabilisierung, Erhalt und Wiederaufbau des Selbstwertgefühls der
Bewohner

-
Sensibilisierung der Umwelt ( Mitarbeiter, Angehörige ) für die
Lebenssituation der Bewohner


1.Umsetzung im "Haus Westfalenhöhe"

1.1.Grundlagen
Auch im Pflege- und Betreuungszentrum
"Haus Westfalenhöhe" zeigte sich im Laufe der letzten Jahre ein kontinuierlicher Anstieg der Bewohner mit verschiedenen Formen der Demenz. Die dabei auftretende Unberechenbarkeit in der Handlungsweise des Einzelnen und die Vielfalt der psychischen Störungen ( Unruhezustände, Wutanfälle, Angst, Erregungszustände usw. ) erschweren den Pflegealltag und führen Mitarbeiter bis an die Grenzen der Belastbarkeit. Das Zusammenleben mit den anderen Bewohnern wird punktuell fast unerträglich, Konflikte sind vorprogrammiert und die Lebensqualität des Einzelnen wird erheblich gemindert.
Aus dieser Situation heraus entstand die Idee eine Beschäftigungstherapie speziell für demenzerkrankte Bewohner anzubieten. Trotz der Notwendigkeit eines relativ festen Tagesablaufs für diese Bewohner wollen wir ihnen die Möglichkeit geben sich nach ihren Fähigkeiten und eigenen Impulsen folgend zu beschäftigen Wichtig war uns dabei, daß die Bewohner sich in der Gestaltung ihres Tagesablaufes nicht einem starren Reglement anpassen müssen, sondern daß wir uns mit unserer Arbeit an den Bedürfnissen der Bewohner orientieren. Kein Bewohner soll zur Teilnahme an Aktivitätsangeboten gezwungen werden.

In einer Kleingruppe ( 8- 10 Bewohner ) bietet sich hier die Möglichkeit diese Bewohner zu betreuen.
Die Auswahl der Bewohner wird gemeinsam mit dem Pflegepersonal und im Idealfall mit den Angehörigen getroffen.

Die Betreuung der Gruppe erfolgt durch eine Altentherapeutin und eine Ergotherapeutin jeweils montags bis freitags von 8.00 - 12.00 Uhr.
Im Therapieraum der Einrichtung wurde ein Teil eigens für diese Gruppe abgetrennt. In diesem Teil wurde durch seine Gestaltung eine Küchen- bzw. Wohnzimmeratmosphäre geschaffen.


Er beinhaltet die Gestaltung mit:

- einer Küchenzeile für hauswirtschaftliche Arbeiten
- „alten" Einrichtungs- und Erinnerungsgegenstände ( Geschirr, Fotos,
Bilder, Deckchen...


Weiterhin werden Dinge des Therapieraumes mitgenutzt, wie z. B.:
- Musikinstrumente

- Verschiedene Spiele zur Förderung der Kommunikation, der
Koordination, der Motorik, der Wahrnehmung usw.
-
Verschiedene Bastelmaterialien (z.B. Naturmaterialien)
-
Verschiedene Turn- und Bewegungsmaterialien ( Softbälle,
Chiffontücher, Gymnastikbälle,Therabänder...)
-
PC
·
1.2.Konkreter Ablauf:
Abholen der Bewohner von den Wohnbereichen:
- kurzes Informationsgespräch mit den Mitarbeitern des
Wohnbereichs, um einen Überblick über die aktuelle Befindlichkeit
des Bewohners zu bekommen
- Begrüßung aller teilnehmenden Bewohner und Begleitung zum
Therapieraum

Gemeinsames Frühstück:
Hierbei werden die Bewohner in möglichst viele Tätigkeiten eingebunden ( Tisch decken, Kaffee zubereiten ... )
Ziel ist es dabei die noch vorhandenen Ressourcen zu erhalten und zu fördern. Oftmals zeigt sich jedoch, daß die gesundheitlichen Veränderungen derart fortgeschritten sind, daß viele Bewohner mit z. B. Besteck und einzelnen Lebensmitteln nichts mehr anfangen können. Durch kleinstmögliche Hilfestellungen genau im Moment der Handlungsunfähigkeit des Dementen, versuchen die Therapeutinnen trotzdem die selbständige Ausführung von bestimmten Tätigkeiten zu fördern.
Nach dem gemeinsamen frühstücken wird gemeinsam der Tisch abgeräumt und gespült. Auch hier wird Wert auf selbständiges arbeiten gelegt, wobei die Therapeuten immer wieder animieren und anleiten.

Einzel- und Gruppenaktivitäten:
Nach dem Frühstück werden verschiedene Aktivitäten angeboten. Das können Gymnastikangebote ( Spiele mit dem Ball, Bewegung nach Musik... ), Bastelangebote ( arbeiten mit Naturmaterialien, Handarbeiten in jeder Form... ), Musikangebote ( Singen, gemeinsames Musizieren... ), Gedächtnistraining ( Vertellekes, Märchen...),
Koch - und Backangebote und hauswirtschaftliche Angebote ( Falten von Handtüchern... ) sein.

Alle diese Aktivitäten sollen die Sinnesorgane ansprechen, um bei den dementen Bewohnern Erinnerungen, Aufmerksamkeit und angenehme Gefühle zu wecken. Hierbei ist es auch möglich sich einzelnen Bewohnern zuzuwenden.


Gemeinsames Mittagessen:
Aus der hauseigenen Küche wird das Mittagessen in den Therapieraum geliefert. Die Bewohner decken den Tisch und füllen die einzelnen Essenkomponenten in Schüsseln und Schalen. Nach dem gemeinsamen Essen wird dann wieder gespült und die Küche hergerichtet.


Verabschiedung:
So wie die Begrüßung am Morgen wird auch die Verabschiedung als ein Ritual gestaltet:
- gemeinsames Lied
- Verabschiedung untereinander
- Begleitung auf die Wohnbereiche bis zum gewohnten Platz
- Verabschiedung vom Mitarbeiter der Beschäftigungstherapie


Nachbereitung:
Alle Informationen über den Bewohner ( sein Verhalten, sein Befinden, seine Aktivitäten usw. ) werden sowohl mündlich auf die Wohnbereiche weitergegeben, als auch direkt mittels EDV gestützter Pflegedokumentation festgehalten. So wird sichergestellt, daß die Pflegekräfte spätere Äußerungen und Verhaltensweisen usw. der Bewohner in einen Zusammenhang bringen können.

Entwicklung:
Seit bestehen der Gruppe 2002 erleben wir bei den teilnehmenden Bewohnern folgende Veränderungen:
- Verringerung der Unruhezustände
- bewußteres Essen in Bezug auf Auswahl und Genuss
- Konzentration über einen längeren Zeitraum möglich
- bewußteres wahrnehmen der Umgebung
- Verwirrte Aussagen werden weniger
- Gefühle, Wünsche, Ängste können teilweise benannt werden
- Spürbare Entlastung der Wohnbereiche

Fazit:
Bei der stetig steigenden Zahl der dementiell veränderten Bewohner und den damit verbundenen Auswirkungen auf den gesamten Bereich der Pflege zeigt sich, dass das Konzept der Beschäftigungstherapie nicht nur eine passende Ergänzung darstellt, sondern das es dadurch auch zu einer situativen Verbesserung der Lebensqualität für den einzelnen Bewohner führen kann. Wesentlicher Bestandteil dieser Arbeit ist die Begrenzung der Gruppengröße auf max. 10 Bewohner. Nur so ist die Qualität der oben beschriebenen Arbeit mit der genannten Zielsetzung möglich und grenzt sich von einer „ Gruppenverwahrung „ ab.

Ihre Ansprechpartner sind:

Leitung Soziale Dienste:
Frau Silvia Schmidt
Tel. 02763/9143-13
e-Mail: s.schmidt@haus-westfalenhoehe.de




Sozialer Dienst / Altentherapeutin
Frau Helga Becker
Tel. 02763/9143-17



Soziale Dienste / Ergotherapeutin
Frau Lilly Weber
Tel: 02763/9143-17